„ent-hüllen“

 

Es ist eine existentielle Suche, – kann die Kunst... oder etwas anderes dem Leben einen Sinn geben? – Die Suche nach einer Identität, der eigenen Identität, aber immer in Beziehung zur Außenwelt, in Beziehung zum Gegenüber, der Gesellschaft, den Regeln, den Vorurteilen, den Tabus. Es ist wohl auch die Geschichte der Beziehung mit dem Anderen, einer Beziehung, die immer einen Nachgeschmack des Unmöglichen hat. Es ist die Geschichte der Menschen. Niemand kann auf das Bedürfnis von Kommunikation und Gefühlsübereinstimmung mit seinesgleichen verzichten.

 

Mich interessiert die Zweideutigkeit in den Objekten und Materialien, die ich für meine Arbeiten verwende, solche Eigenschaften wie Dehnbarkeit oder Härte, Weichheit oder Verletzungsgefahr, Vergänglichkeit, Fragilität. Meine Arbeiten wenden sich an alle Sinne und enthalten eine gewisse Sinnlichkeit.

Oft verdrehe ich den Sinn ihres ursprünglichen Verwendungszwecks. Eine intensive emotionale und symbolische Ladung wird so aufgebaut. Eine gespannte Atmosphäre zwischen wertvoll, aufwertend / entwertend, trivial herrscht in vielen Arbeiten.

 

Meine Arbeit besteht aus Geschichten, die sich immer wieder- und weiterentwickeln, als würde man neue Fensterläden öffnen, ein uraltes Kleidungsstück nach und nach entfalten. Erzählungen aus unbekannten Orten wie auch aus alltäglichen Gewohnheiten, die oft die Tragikomik des Daseins widerspiegeln.

Was auf den ersten Blick als banale Anekdote oder intime Geschichte aus dem Leben der Künstlerin erscheinen mag, erweist sich in der Tat als Komponente der Erlebnisse und des Unbewussten eines Jeden.

Es existiert weder Unschuld noch Zufall.

 

  Sandra Riche